Konservative orthopädische Schmerztherapie

Allein die Zahl der WS-Operationen haben sich in den Jahren 2005-2011 mehr als verdoppelt (Orthopädische Nachrichten DKOU 2013). Die konservative orthopädische Schmerztherapie mit multimodalem Therapieansatz bietet sowohl ambulant als auch stationär die Möglichkeit einer effektiven Behandlung der Schmerzen und Funktionseinschränkungszustände des Bewegungsapparates.

Zu den Grundsätzen der orthopädischen Schmerztherapie gehört die Ursachenbeseitigung. Es gilt, die bei der Untersuchung festgestellte Primärstörung, etwa eine Beinlängendifferenz, muskuläre Dysbalancen oder Segmentlockerungen an der Wirbelsäule, durch gezielte orthopädische Maßnahmen zu behandeln.

Konservativ bedeutet ohne Operation. Dabei werden zahlreiche Therapien aus unserem Leistungsspektrum in einem individuell erstellten Konzept mit wirkungssteigender Kombination (Der Orthopäde 1. 2014) unter persönlicher Betreuung durch unser Team eingesetzt.

Diagnosenliste

Wirbelsäule

  • Lokale und pseudoradikuläre Rückenschmerzen/Hexenschuss
  • Bandscheibenvorfälle
  • Facettengelenkarthrose/Arthrose der kleinen Wirbelgelenke
  • Spinalkanalstenose/Degenerative Einengung des Spinalkanals
  • Spondylolisthese/Rückenschmerzen bei Wirbelgleiten
  • Schmerzzustände bei osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen
  • Postnukleotomie-Syndrom/persistierende Schmerzzustände nach der operativen WS-Behandlung

Ellenbogen

  • Tennisellenbogen/Golfellenbogen/Epicondylitis humeri radialis
  • Ellenbogengelenkarthritis
  • Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen
  • Ellenbogengelenkarthrose

Hände

  • Karpaltunnelsyndrom
  • Fingergelenkarthrose
  • Arthrose des Daumengrundgelenkes/Rhizarthrose
  • Arthrose des Handgelenkes/Radiokarpalgelenkarthrose

Hüftgelenk

  • Verschleiß des Hüftgelenkes/ Coxarthrose
  • Entzündungen von Schleimbeutel sowie Sehnenansätzen an der Hüfte/Bursitis trochanterica/ Peritrochantäre Schmerzsymptomatik/ Enthesiopathie der großen Sehnen

Schulter

  • Schulterenge-Syndrom/ Subacromiales Impingement/Schleimbeutelentzündung
  • Rotatorenmanschettenschaden
  • Kalkschulter/ Tendinitis calcarea
  • Schulterverschleiß/Arthrose/Omarthrose
  • Schultereckgelenkverschleiß/AC-Gelenkarthrose

Die Schmerzen im Bereich des Schultergelenkes treten sehr häufig auf. Sie behindern teilweise massiv die Aktivitäten im täglichen Leben und behindern bei der Arbeit bzw. bei der sportlichen Betätigung, vor allem die Bewegungen der Arme über Kopf sind teilweise unmöglich. Die Schulterschmerzen führen häufig dazu, dass der Nachtschlaf gestört ist mit entsprechender Leistungsminderung und erhöhter Reizbarkeit tagsüber. Unbehandelt führt die Schmerzsymptomatik im Bereich der Schultergelenke zu weiterer Einschränkung der Beweglichkeit mit Verkürzung der umliegenden Weichteile. Dies kann zu vollständiger Einsteifung der Schulter führen. Ursachen der Schulterprobleme sind vielfältig, es ist häufig eine schlechte Körperhaltung mit nach vorne stehenden Armen, Arbeiten und Sportarten über Kopf sowie Verminderung der Beweglichkeit im Bereich der BWS. Die häufigsten Symptome bei Schulterveränderungen sind Ruhe- und Nachtschmerz, Bewegungsschmerz, insbesondere beim Bewegen des Armes über dem Kopf sowie beim Liegen auf der betroffenen Seite, Bewegungseinschränkung, Kraftminderung, Instabilitätsgefühl. Bei weitem nicht jedes Schulterschmerz-Syndrom muss operiert werden.

Füße

  • Hallux valgus
  • Arthrose des Großzehengrundgelenkes/Hallux rigidus
  • Krallenzehen/Hammerzehen
  • Spreiz-/Knick-/Senkfüße
  • Fersensporn
  • Achillodynie/Achillessehnenreizung
  • Haglundferse
  • Sprunggelenkarthrose

Kniegelenk

  • Vorderer Knieschmerz
  • Knieverschleiß/Gonarthrose
  • Schmerzzustände an den Sehnenansätzen im Bereich des Kniegelenkes/Enthesiopathien

Mikroinvasive Schmerztherapie

Die mikroinvasive Schmerztherapie ist eine effektive Schmerztherapieform bei Nervenreizung an der Wirbelsäule oder Schmerzzuständen ausgehend von den kleinen Zwischenwirbelgelenken. Dabei werden unter Zuhilfenahme der Röntgendurchleuchtung gezielt schmerzlindernde Medikamente in Verbindung mit entzündungshemmenden/abschwellenden Wirkstoffen an den kleinen Gelenken, Nerven oder auch in den Rückenmarkkanal gespritzt/infiltriert.

Der Schmerz wird dort behandelt, wo er entsteht. Die Medikamente kommen mit der Kanüle genau an den Ort, wo sie wirken sollen. Häufig ist durch die klinische sowie apparative Untersuchungen wie Röntgenbilder oder Kernspintomographie nicht genau festzustellen, woher der Schmerz eigentlich genau kommt. Mit Hilfe der gezielten Injektionen kann dabei die Schmerzursache sicherer ermittelt werden, was sowohl therapeutische als auch diagnostische Hinweise auf die Schmerzursache gibt, falls direkt nach der Einspritzung der Schmerz verschwindet. Die Infiltrationen können wochenweise wiederholt werden, sie sind mit einem geringen Risiko verbunden und haben ein hohes therapeutisches Besserungspotenzial bei nahezu allen chronischen Kreuzschmerzen.

Dabei kommen folgende Methoden zur Anwendung:

Facettengelenkinfiltration an der Wirbelsäule

Infiltration an  den Rippen oder den Kostotransversalgelenken der Brustwirbelsäule, Periradikuläre Therapie (PRT/Wurzelblockade/Spinalnervanalgesie) an der gesamten WS. Lumbale epidurale Injektion/Kaudale epidurale Injektion.

Spezielle Schmerztherapie

Alle Menschen bekommen im Laufe ihres Lebens Schmerzen. Akuter Schmerz ist normal und bedeutet eine Warnreaktion auf mögliche Körperschädigung. Er zeigt uns, dass wir pausieren, kürzertreten sollen. Wenn der Schmerz allerdings über den erwarteten Heilungsverlauf hinaus andauert spricht man von einem chronischen Schmerz.

Wenn dieser Schmerz dann über viele Monate oder Jahre bestehen bleibt und die eigentliche Schmerzursache erfolgreich behandelt wurde bzw. eine nachvollziehbare körperliche Ursache konnte nicht gefunden werden, dann hat der Schmerz die eigentliche Warnfunktion verloren und sich zur einen eigenständigen Krankheit entwickelt.

Die Schmerzwahrnehmung erfolgt immer im Gehirn und ist das Produkt der Zusammenarbeit des Gehirns und des peripheren Nervensystems zum Schutz des menschlichen Körpers vor schadhaften Einflüssen und Überlastung. Das Nervensystem verfügt über eine Reihe von schmerzhemmenden Verschaltungen, damit der Schmerz seine Schutzfunktion den Ereignissen angemessen und nicht übertrieben ausüben kann, wie z.B. die Wahrnehmung von Berührungen oder Wärme nicht als Schmerz registriert und empfunden wird. Diese Unterscheidung erfolgt mit Hilfe der sogenannten schmerzhemmenden Systeme. Wenn diese allerdings versagen, z.B. bei sehr starken Schmerzen, sehr starker psychischer Belastung oder Schädigung eines Nervens kann sich der Schmerz verselbständigen und als sogenannter chronischer Schmerz dem Körper und der Seele einen erheblichen Schaden zufügen. Um diesen Schmerzzustand zu beseitigen, ist eine gründliche Schmerzanalyse mit sorgfältiger Vorgeschichte, körperlicher Untersuchung und ggf. apparativen Untersuchungen unerlässlich.

Seit den letzten Jahren wissen wir wesentlich mehr über die Schmerzentstehung sowie Mechanismen der Schmerzchronifizierung. Wir unterscheiden mittlerweile verschiedene Schmerzarten und können daher entsprechend ihrer Eigenart diese behandeln.